Mittwoch, 22. September 2021

Sie singen, sie tanzen für dich...

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Sie singen, sie tanzen für dich…                                    Sept. 2021

 

Leise sind deine Schritte, so leise, dass man glauben mag, es gäbe dich nicht

Der Boden scheint dir näher als der Himmel

Abgeklärt nach außen

In den Tiefen verwundet

Den Blick nach innen gerichtet

Auf den Ausbruch wartend

Und es bricht…

Immer und immer wieder

Skepsis in den Augen

Misstraust du jenem,

was sich nicht von selbst erklärt

löst dich auf und schwindest

und bist doch präsent

in deiner Kraft

von der du glaubst sie reiche nicht

um dich zu sehen

ich sehe dich

in deiner vollen Größe

in deinem Licht

in deinem Schatten

deinem Schmerz

deinem Lachen

und doch bleibst du verkannt

vor deiner eignen Tür

ich schweige

laut

so laut, dass du es hören kannst

komm, trau dich…

lausche den Stimmen deiner Wände

sie singen – sie tanzen – für dich.

 

 

 

Erwacht durch dich...

 

Erwacht durch dich…                            

 

Traum…

Traum schafft Raum

Und ich verlasse den Boden der Tatsachen

Träume mich – träume dich – träume uns

Erwache im Traum

Werde wieder und wieder geboren

Durch dich

Erfinde die Einsamkeit neu

Schmücke sie mit Rosen

Und stelle eine Kerze

An ihren Anfang und an ihr Ende

Dazwischen schwingt der Traum

Traum schafft Raum

Ich sehe dich – kenne dich – fühle dich

In deiner Welt scheine ich so fremd

Ungefragt hereinspaziert

Hinausgeworfen

Die Tür einen Spalt weit aufgemacht

Und einen Keil darunter gehauen

Und ich atme das, was hindurchdringt

Durch den Spalt

Und weiß – um dich

So tief liegt die Erinnerung

Wie ein Stein auf dem Grund eines schwarzen Sees

Mein See – mein Stein – meine Erinnerung

Und es schließt sich der Raum

Es flüchtet der Traum

Vor der Morgensonne

Was bleibt bin ich

Erwacht durch dich…

 

 

Samstag, 24. Juli 2021

Mein Weg

 

 

Mein Weg

es wurde Zeit, Zeit zu gehen

dabei war ich schon immer auf diesem Weg

mal langsamer, mal schneller

das Gepäck so schwer

dass ich fast zusammenbrach

die Zeit ist wie ein Rucksack

in dem alles gesammelt wird 

was einem widerfährt.

nach und nach

werfe ich die alten Lasten von mir

und sehe durch den Spalt einer Türe

ich kenne dich nicht... 

und dennoch berührst du mich.

 

 

Sonntag, 24. Januar 2021


Ein evolutionärer Schritt

Auf einmal war es da, etwas, das wir vorher so nicht gekannt haben. Erst war es so weit weg, irgendwo in China, man hatte kaum eine Vorstellung davon, wo dieser Ort war
an dem es das erste Mal seine Runden schlug und viele tausende von Menschen in ihre Häuser zwang sie von den Straßen vertrieb, aus den Geschäften und den Märkten verbannte
und plötzlich lagen so viele in den Särgen, dass sie in Kühlwagen gestapelt werden mussten.
In weiß verhüllte Gestalten wanderten über die Straßen im Sprühnebel von Desinfektionslösung.
Als uns diese ersten Bilder erreichten, hatten wir bereits verloren.
Es war längst ausgereist aus seiner Kinderstube, wie ein blinder Passagier zog es seine Bahnen quer durch die Kontinente.
Dabei waren es eher wir, die blind waren, denn wir haben die Gefahr unterschätzt, stiegen unbedarft in Flugzeuge und trugen es von Ort zu Ort. Wir feierten noch fröhlich Karneval und das Virus feierte mit und verdiente sich seinen Namen.
Covid 19 war in aller Munde, und vor diesem hing bald ein buntes Stofftuch.

Die Straßen weltweit leergefegt, der Papst in Rom alleine auf einem riesengroßen, verregneten Platz, verloren in seiner Osterpredigt. Die Stadttauben begannen zu verhungern, wer hätte das gedacht.
„Stey at home“ war nun die Devise, Abstand halten, Hände waschen, Desinfektionsmittel an allen Ecken. Das Phänomen „Klopapier“ steht wie ein Wahrzeichen über diesen Wochen. Streit im Supermarkt vor leeren Regalen. Was um alles in der Welt haben die Leute mit diesen Papierrollen angestellt? Und da war noch so viel Hoffnung, wir sangen aus den Fenstern und klatschten für die Systemrelevanten und waren hilfsbereit wie selten zuvor.
Diese erste Hürde, ach, die nehmen wir mit links, in ein paar Wochen ist der Spuk vorbei, vielleicht ein bisschen aufgeplustert das Ganze, bis sich in Bergamo die Leichen stapelten. Da spürten wir, dass Corona kein Event war.

Pandemie, ein Wort, das wir sonst nur aus der Ferne kannten gehörte allmählich zu unserer Alltagssprache. Sie bestimmt unser Leben, auf der Arbeit, im Privaten, sie sagt, wen wir treffen dürfen und wen nicht, ob wir reisen dürfen und wenn, wohin. Fragen wurden immer lauter und jene, die längst in virtuellen Parallelwelten ihre „Quellen“ der Information zu finden glaubten, betraten jetzt einen Nährboden, auf dem Misstrauen und Hass in rasender Geschwindigkeit seine Wurzeln versenkte. Die Schuld lag somit bei den Entscheidungsträgern, die ach so Böses im Sinn haben, doch dass auch diese sich im Kampf gegen dieses Unbekannte winden, ist einfach nicht spektakulär genug. So trennten sich die Welten und leben nebeneinander her und eine Gesellschaft wird sich selbst zum Feind. Wer jetzt hinterfragt tritt ohne es zu wollen in den Abgrund dieser finsteren Welt.

Doch der Sommer ließ ein wenig Luft zum Atmen, draußen ist alles halb so wild und so vergaßen wir immer öfter dieses kleine, im Hinterhalt lauernde Ding. Bis es uns wieder einholte und wir in unserer alten Gewohnheit auf unsere Rechte bestanden. Trotz Verbote wurde gefeuert und gefeiert und so begann das neue Jahr für viele auf den Intensivstationen. Die Alten und Kranken sterben einsam hinter ihrer Beatmungsmaske, die im grausamen Takt das Leben zu erhalten versucht. Dem Kranken- und Pflegepersonal steht das Wasser bis zum Halse. Die Geschäfte geschlossen, die Paketzusteller laufen sich die Sohlen von den Füßen und so mancher graue Haaransatz prangt auf den Häuptern der Damen. Der Lockdown verlängert, mal wieder, und uns geht allmählich die Luft aus, auch ohne Corona. 

Wir wünschen uns die alte Normalität zurück. Die wird es nicht mehr geben, dafür hat sich in der Zwischenzeit viel zu viel verändert. Wir werden aufwachen in einer Welt, die wir nicht wiedererkennen werden. Eine angeschlagene Wirtschaft wird ihren Tribut fordern, in vielerlei Hinsicht. Doch das wird längst nicht alles sein. Wir werden uns verändert haben, neues Verhalten antrainiert, altes abtrainiert, Vertrauen verloren. Ängste graben sich ihre Bahn und nisten sich ein. Dennoch wird es eine neue Art Vertrauen geben, jenes in uns selbst und unsere Fähigkeiten. Wir werden gereift sein, wie nach einer langen Krankheit. Wir werden gelernt haben, zu verzichten, uns zurück zu nehmen, zu warten und für die Gemeinschaft zu denken und nicht nur für uns selbst. Wir werden wissen, dass es sinnvoller ist, unsere unmittelbare Umgebung zu schützen, zu stärken und zu beleben, als sorglos in der Welt herum zu reisen. Wir sind zu viele, und wir begehen an der Natur zu viele Fehler, als dass wir uns ein solch sorgloses Verhalten erlauben könnten. Wir werden gelernt haben, virtuell zu kommunizieren und uns auch auf Abstand zu verstehen. Es wird selbstverständlicher, schnell auf Gefahren zu reagieren und gut vernetzt zu sein. Im besten Falle werden wir gelernt haben, was das Leben auf dem Planeten Erde wert ist. Diese Pandemie hat das Potenzial uns all die Fähigkeiten und Eigenschaften zu vermitteln, die wir in naher Zukunft dringend brauchen werden. Unsere Klimaveränderung wird die nächste und noch viel größere Herausforderung sein. Vielleicht sollten wir uns bewusst machen, dass wir gerade einen evolutionären Schritt in unserer Menschheitsgeschichte gehen, der uns und unsere Welt verändern wird. Und diesen Schritt, sollten wir ganz bewusst mit allen Sinnen gehen.




Samstag, 28. April 2018



In den oberen Reihen
undefinierbarer Gedankengebilde
verweilt ein Wesen
welches sich Ausdruck verleiht
durch die Tiefe
und die Ernsthaftigkeit
eines Augenblickes
es weiß um sich selbst
und es weiß um dich
es weiß um all das Fühlen
den tiefen Schlaf
und das Erwachen
es weiß um eine Liebe
die niemand zu ergründen versteht
aber dennoch vorhanden ist
zeitlos im Nirgendwo
dieses Wesen
ist das einzig Verlässliche
in mir, in dir, in uns allen.

Donnerstag, 6. April 2017

Zwischenstopp

 

 

Liebe Besucher, liebe Freunde...

ich war lange nicht mehr hier. Es brauchte Zeit. Zeit der Erfahrungen, des Ordnens, des Arbeitens und der Besinnung.

Nichts bleibt, wie es ist... ein tröstlicher Satz. Alles ist in permanenter Veränderung, so auch meine Person. Diese Einsicht birgt eine für mich wichtige Erkenntnis, die ungeahnte Chancen bietet. Der Mensch ist in der Lage, bewusst in sein Schicksal einzugreifen und den eigenen Weg mit zu steuern. Es wächst Ungeahntes im Erkennen dieser Tatsache.

Ich werde wieder weiter arbeiten, an diesem Blog und meine künstlerische Arbeit, meine Projekte, und meine Gedanken und Empfindungen dazu hier dokumentieren. Meine Freude über jeden, der dabei bleibt sei euch gewiss.

Auf eine gute Zeit,
Eure Nadja

Sonntag, 27. März 2016

"Was bin ich wirklich?" Atelierbericht 1



Ein sonniger Ostersonntag es ist der 27.03.2016   ca 16.00 Uhr


ich bin in meinem Atelier und bereite mich für ein kleinformatiges Bild vor.  



Habe mich für Blautöne entschieden… dann musste das Rot in die Mitte. 



Manchmal denke ich, ich werde von irgendwelchen Kräften beeinflusst, die mich entweder fördern, oder behindern oder zwingen wollen, gewisse Dinge sichtbar zu machen. Ich weiß nur nicht immer, ob diese Kräfte gut sind oder nicht. Ich werde es heraus finden.



Ich glaube, mich durchgesetzt zu haben gegen das, was ich als zwingend empfand und es entstand eine Figur, zweigeteilt. Die Farben, Blau, Rot und Weiß. Der Hinterkopf im Schatten, finster, kahl und bedrohlich, obwohl der Körper einer Frau zuzuordnen ist. Das Gesicht ist hell, die Augen überdimensioniert und sehen nach oben und genau hier entsteht die Frage: „was bin ich wirklich?“ … genau diese Frage beschäftigt mich zur Zeit sehr. 
Was und wer nimmt Einfluss auf mich und meine Person, auf mein Verhalten, mein Reagieren und mein Empfinden? Während der Körper in rot und blau gehalten wird, und ebenfalls düster erscheint, wird er immer wieder mit lichten Spuren versehen, die eine Richtung verfolgen, Halt geben, und trotzdem, da zieht etwas am Haupt, oder stützt es eher? Schwer einzuschätzen… es wird ein ständiger Kampf bleiben, diese Ungewissheit, wohin man gehört, welchen unbekannten Kräften man ausgesetzt, ja gar untergeordnet ist oder ausgeliefert…

Das Gesicht ist prägnant, schon viel zu klar und deutlich die Konturen, als dass man sie noch einmal verwischen könnte. 
Sie bleibt im Licht, denn sie weiß zu viel, sie wird gewinnen, und sein, was sie in Wirklichkeit immer war. 

Das Bild wird jetzt mit einer Lackschicht überzogen. Ich möchte die Tiefen erkennen und vielleicht den unteren Teil des Körpers in Bruchstücke versetzen, warum? Weil er es im Grunde ist… Bruchstück - Teile… kleinste Teile, die miteinander in Kommunikation stehen, energetisch verbunden sind, so lange, bis sie sich voneinander verabschieden und sich dem Erdboden wieder zufügen.

Ich glaube, mir treu bleiben zu können und wende mein Gesicht dem Licht zu.

"Was bin ich wirklich?" Acryl auf Holz   21 x 29 cm






Sonntag, 14. Februar 2016

broken message

"Broken Message" Dispersionsfarbe auf Leinwand 90 cm x 100 cm




mein Blick auf das Display meines Handys zeigt die Worte „broken message“  und ich finde die Nachricht  so zerstückelt vor, dass sie nicht mehr lesbar ist. In diesem Augenblick wird mir klar, wie vieles sich in meinem Leben so zerstückelt zeigt, auf mich trifft und für Unverständnis sorgt.  


Die Welt um mich ist voll von Information, sie wandert, trifft irgendwann auf mich und zerschellt an meiner Wahrnehmung, die sie aufzusplittern versucht um sie sinnvoll in Vorhandenes einzusortieren, sie irgendwie nutzbar zu machen. Das Vorhandene macht es mir oft schwer, Neues zuzuordnen, denn meine inneren Regale haben zu wenig Einlegebretter, zu kleine Fächer und diese sind voll gestopft mit längst Unbrauchbarem. 

Gebrochene Information, scheinbar ohne Zusammenhang lässt mich irgendwann müde werden, raubt mir die Motivation weiter zu machen bis ich erkenne, dass ich meine inneren Strukturen anpassen muss an die Art und Weise dessen, was von außen auf mich trifft.

Nach und nach überprüfe ich das über Jahre Eingelagerte, sortiere und löse nicht Brauchbares oder Hinderliches aus seinen Verankerungen und Verbindungen und entsorge es. Das braucht viel Zeit, denn die Vernetzungen reichen bis in die tiefsten Schichten meines Erlebens. Irgendwann gleiche ich einer einzigen Baustelle, aber Körper und Seele leben und heilen sich an zerrissenen Stellen selbst. 

Allmählich entstehen wieder Freiräume in meinen Regalen. Ich rede gerne von „Stauraum“ wobei ich hier lieber vorsichtiger werde, denn einen Stau möchte ich nicht mehr erzeugen. Es soll immer noch die Möglichkeit des Durchflusses gegeben sein, des Verlagerns und Umschichtens. Ich möchte bei all dem Eingelagerten die Übersicht behalten, wissen, was in mir ist und was mich ausmacht.

Mir wird klar, dass es nicht anders geht, als die Müdigkeit zu überwinden… die Zeichen der Zeit verraten mir, dass es dringend nötig ist, wach zu bleiben, nicht wegzudösen nur weil man die Zeichen nicht versteht, nicht aufgeben, nicht jetzt!

Es lohnt sich, die Augen aufzuhalten, genau zu beobachten, was geschieht. Ich werde immer eine Bewertung dessen vornehmen, was ich sehe, aber sie wird auch immer nur vorübergehend bleiben, wird sich stets ändern und das ist wichtig, das ist der Werdegang, der Flug des Lebens, ich darf die Flügelschläge nicht aufhalten, sonst fällt der Vogel vom Himmel.

Bewusst werden, mir meiner selbst bewusst werden, darum geht es und das ist nur möglich mit einem wachen Geist. Ich bin weitaus mehr als ein fühlender Körper mit einem Anfang und einem Ende… da ist noch etwas – etwas ganz anderes…



Ich werde die zerstückelte Nachricht zusammenfügen und während dieses Zusammenfügens werde ich begreifen – Stück für Stück – werde Zusammenhänge schaffen und damit ein eigenes Lebensbild kreieren. Dieses Bild wird eine Aussage haben, tagtäglich, und ob sie verstanden wird oder nicht hängt zu einem großen Teil davon ab, welche Färbung ich diesem Bild verleihe und in welchem Licht ich mich gerade bewege. 
Und genau hier wird mir bewusst, wie viel Einfluss ich habe auf die Information, die in mir ankommt und somit auf die Welt, die dadurch in mir entsteht.





Montag, 11. Januar 2016

Ich bin wieder da!

Meine lieben Freunde! 

für alle, die mir hier die Treue gehalten haben erst mal ein recht herzliches Danke!!!

Mein Blog war lange brach gelegen und dies lag einerseits daran, dass ich sieben Monate lang ununterbrochen an meinem neuen zu Hause gearbeitet habe, in das ich nun  im Dezember endlich einziehen konnte. Zum Anderen war es mir durch einen Googlekontenwechsel u.v.a. an einer fehlenden Internetverbindung nicht möglich, auf mein altes Konto zuzugreifen über das ich meinen Blog betreibe. Heute ist es mir endlich gelungen hier wieder Einzug zu halten und meine Arbeit fortzuführen.

Neue Ereignisse und intensive Erfahrungen haben mich in den letzten zwei Jahren zu einem ... man könnte fast sagen, neuen Menschen werden lassen. Es ist, als hätte ich von unterwegs all die verlorenen Teile wieder zusammengesucht und mit nach Hause gebracht, die mir vor sehr langer Zeit abhanden gekommen waren. 

Im Januar 2014 brach ich aus meinen eingefahrenen Bahnen aus und  stellte alles auf den Kopf was mir so lange als vertrautes Weltbild diente. Es folgte ein kompletter Neustart. Die Landung in der neuen Welt war schonungslos und oft hart, doch ich lernte Schritt für Schritt eigenständig einen Fuß vor den anderen zu setzen, auf eine Urkraft zu vertrauen, die meine Schritte lenkte und folgte einem inneren Navigationssystem, welches mich allmählich zu mir selbst zurückführte. 

Eine Ausstellung im Düsseldorfer Landtag im April 2015 war für mich noch einmal ein wertvoller Blick in den Spiegel und gleichzeitig ein wichtiger Wendepunkt meiner künstlerischen Arbeit.

Dann folgten sieben Monate harte Arbeit zusammen mit meinem Mann an unserem Haus in dem jetzt jeder die Möglichkeit hat, ganz für sich oder gemeinsam mit dem Anderen sein eigenes Lebensbild zu gestalten. 
Meine künstlerische Arbeit stand lange hinten an, war blockiert, konnte nicht fließen. Es war, als hätte diese kreative Kraft in mir still gewartet, bis ich endlich vollständig bin.
Und nun drängt sie hinaus an die Oberfläche... sie will leben.

Ich habe in dieser Zeit für mich eine Definition meiner Kunst oder besser meiner künstlerischen Arbeit gefunden. Meine Art von Kunst ergibt sich aus einem Impuls aus dem Umfeld - das "Feld" spricht und ich drücke es aus. Ich muss nichts anderes tun, als zuhören. Tief in mir lebt etwas, das hören kann und dieses Etwas lauscht in den Raum und hört, dann produziert es Klänge, Farben, Worte... Geschichten, Formen und Bilder. 

Ich erschaffe nichts - ich höre, begreife und gebe wieder. 


In diesem Sinne... ich freue mich auf eine neue Begegnung mit Euch!

Eure Nadja

Freitag, 1. Mai 2015

Oberflächen und deren Zusammenhang mit Tiefe


 
Die Erde ist ein fast rundes Gebilde und bewegt sich auf ihrer Umlaufbahn stetig in ihrem eigenen Rhythmus und Tempo um die Sonne. Das ist alles, was ich momentan in meinem Hirnraum erblicken kann, mehr brauche ich allerdings nicht, da ich nichts anderes erfassen will, als die Tatsache, wie es sich mit dem Verhältnis von Oberfläche zum Innenraum verhält. Ich habe nichts anderes als meine Erfahrung und mein Vorstellungsvermögen. Das muss erst einmal reichen. Lückenhaftigkeit in meinem Wissen muss ich hinnehmen, zumindest für heute.

Ich spreche mit anderen Menschen oft über das Thema Oberflächlichkeit, wobei das auch nicht ganz richtig ist, da wir während des Gespräches nicht einmal in die Tiefe gehen, sondern meistens an der Oberfläche bleiben. Die Zeit reicht nicht mehr, um in Alltagsgesprächen in Tiefen abzutauchen – tiefgründig zu werden, außer man beherrscht die Kunst der Weisen, Tiefgründiges in kurzen prägnanten Sätzen von sich zu geben, was allerdings nicht viel nützt, wenn das Gegenüber keine Zeit hat, sich in den Satz zu vertiefen. 

Ich blicke tief in meinen Hirnraum… dort ist es finster. Hin und wieder sehe ich Lichter blitzen, wie Sterne in einem Universum. Das sind die Punkte, an denen sich Energien  treffen, die in irgendeiner Form miteinander in Verbindung stehen. Ich lasse sie ihre Arbeit machen und versuche möglichst nicht zu stören. Vor einigen Tagen warf ich eine Frage in den dunklen Raum mit den Lichtpunkten und plötzlich sah ich, wie sich all diese Punkte gierig darauf stürzten, wie Piranhas, die seit Wochen nichts zu fressen bekamen.
 
„Was bedeutet Oberflächlichkeit?“

Dazu muss ich dringend sagen, dass ich nicht frage, was Oberflächlichkeit generell und für alle anderen bedeutet, sondern, was ich damit anfangen kann und wie ich diese Eigenschaft beurteile.
Schnell habe ich einen Anderen als oberflächlich abgestempelt, der nicht diese spezifischen Merkmale eines Denkakrobaten wie ich einer bin aufweist. Dieser Denkakrobat, der hier an der Arbeit ist, vollführt Bewegungen, wie ein Schwimmer, der von einem 15 Meterturm ins Wasser springt, um sein Leben kurz vor dem Aufschlag am Beckenboden zu retten, in dem er hastig und knapp am Absaufen wieder auftaucht. Nach dem der Akrobat diesen Akt mehrmals täglich und auch nachts so lange wiederholt hat, bis ihm der Kopf platzt und die Zunge aus dem Halse hängt, sieht auch dieser Irre endlich ein, dass er sich eine Plattform schaffen muss, auf der er sich endlich eine Weile erholen kann von dieser suchtartig betriebenen Beschäftigung, die immer noch keinen rechten Sinn erkennen lässt.

Da taucht ein Lichtblitz aus der Dunkelheit auf und spricht… „Schnelles und sprunghaftes Denken hat nichts mit Tiefgründigkeit zu tun, auch wenn es tief tauchen kann. Es ist mit nichts anderem beschäftigt, als damit, sich selbst zu erhalten – es ist als würde man eine Suppe in einer irren Geschwindigkeit umrühren. Die Suppe bleibt die gleiche, ist nur schneller in Bewegung. Das verbraucht Unmengen an Energie.“

Gut, jetzt sehe ich wieder die Erde im Raum schweben. Sie hat eine Oberfläche. Im Inneren dieser Kugel ist die Materie unseres Wissens nach heiß und flüssig. Hier sehe ich den Gegensatz zwischen Tiefgründigkeit und Oberfläche aber auch deren Zusammenhang. Das Eine wäre ohne das Andere nicht das, was es jetzt ist. Ein Planet auf dem Leben gedeihen kann. Die reine Oberfläche ist strukturiert, und wenn wir die Pflanzenwelt wegdenken bleibt Erde und Stein. Erscheint einfach und simpel, nicht kompliziert. Das Einfache ist überschaubar, einschätzbar und somit vertrauenserweckend. Das Komplizierte ist unberechenbar, macht unsicher und schürt Angst.
Wieder sehe ich den Erdball. Muss ich jetzt die Oberfläche der Erde anders bewerten als ihr flüssig heißes Innenleben, welches sich scheinbar unberechenbar und oft sehr bedrohlich seinen Weg durch die Oberfläche presst und um seine Austrittstelle alles Leben zerstört? 

Der Denker urteilt über den vermeintlich Oberflächlichen… vielleicht hat der Denker nicht ausreichend nachgedacht. Die Oberfläche hält das Innere zusammen, sie gibt Schutz und Vertrauen, ist meist stabil, auf wenig beschränkt aber zuverlässig.
Das Eine ist ohne das Andere nicht… ich werde mich hüten zu urteilen. Weder ist der Tiefgründige heilig, noch der Oberflächliche verwerflich. Hoch lebe dein Lachen und tief mein stilles Gebet.









Freitag, 27. März 2015

Zerrissen - zwischen den Teilen


 
Ein Flugzeug mit über hundert Menschen an Bord zerschellt an einer Felswand, übrig bleiben tausende von Einzelteilen – Blech – Stoff – Fleisch… zerstreut zwischen Steinen. Unvorstellbar und alles, weil ein junger Mensch dies scheinbar so für sich entschieden hat, für sich und alle anderen die er angeblich mit sich in den Tod riss.

Wir, der Rest der Welt stehen mehr oder weniger fassungslos vor diesem Ereignis. Diesmal trifft es uns härter, warum? Weil wir eine direktere Verbindung dazu spüren, Barcelona – Düsseldorf, für uns so nah, erinnert uns an Eigenes, hätten auch wir sein können. Man ertappt sich beim Bewerten dessen, was geschehen ist, wie viele Deutsche, Kinder, Jugendliche? Ein Versuch zu sortieren, Ordnung ins Chaos zu bringen.  Menschen, aus unserer Mitte, ihnen fühlen wir uns näher, deren tragisches Schicksal reibt stärker an unserer Empfindungsfähigkeit, als wäre irgendwo weit weg eine uns fremde Airline ins Meer gestürzt. Dann hadern wir mit unserem Wertesystem, das schlechte Gewissen überlagert die Betroffenheit und am Ende klagen wir auch noch Menschen an, deren öffentliche Betroffenheitsbekundungen wir in Zweifel ziehen,  weil sie aufdoktierten Normen zu entsprechen versucht, nur um gerade jetzt nichts falsches zu sagen.
Und all das, weil wir nicht wirklich wissen mit unseren eigenen Gefühlen umzugehen.
Ob Prominente oder Personen im nicht öffentlichen Leben, wir sind alle nur Menschen, am Rande des Verstandes angekommen, angesichts solcher Ereignisse. 

Auch ich stehe in solchen Momenten wie alle anderen am Rande des Verstehens, an diesem Abgrund, der uns die eigene Endlichkeit und die Macht eines einzigen kurzen Augenblicks vor Augen hält und bin in meiner Meinungsbildung, wie all die anderen, angewiesen auf Medienberichte, welcher Art auch immer. 

Das Leid der Angehörigen spiegelt die eigene Angst wieder, eines Tages ähnliches erleben zu müssen und wir werden es alle in irgendeiner Form früher oder später, denn Tod und Vergänglichkeit lassen sich in unserem oberflächlich schillernden Alltag nicht auf ewig verbannen. 

Nun scheint bezüglich dieses Flugzeugunglücks klar zu sein, dass ein junger Copilot die Entscheidung getroffen hat, seinem Leben ein Ende zu setzen auf eine so spektakuläre Art, dass die ganze Welt davon erfahren muss. War es das, was er wollte? Wie groß muss dann die Bedeutungslosigkeit gewesen sein, die diesem Ereignis gegenüberstand und es förmlich herbei gezwungen hat. Reine Spekulation – vielleicht wird man ja doch noch einen politischen Hintergrund ermitteln.
Dennoch, ich erinnere mich unweigerlich an die Momente, in denen ich selbst in ein Flugzeug gestiegen bin, mit diesem flauen Gefühl im Magen, mich einer Maschine und einigen Menschen anzuvertrauen, ja mein Leben für ein paar Stunden in deren Hände zu legen, ohne zu wissen, wer sie sind, sie nicht  einmal gesehen zu haben. Wir tun das oft mit einer unreflektierten Selbstverständlichkeit, die mich gerade ein wenig erschreckt.
All das können wir nur tun, in dem wir Eventualitäten ausblenden – ohne diesen Mechanismus würde unser ganzes System nicht funktionieren, denn würden wir nicht ausblenden, würden wir so manches nicht tun können.

Tagtäglich fahre ich mit meinem Auto auf der Straße, vertraue meinem gesundheitlichen Zustand, dass er stabil bleibt, vertraue aber ebenso auf den körperlichen und geistigen Zustand meiner Mitmenschen, die mir mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 100 km pro Stunde entgegenrauschen, so knapp an mir vorüber, dass gerade mal ein Stuhl zwischen uns Platz fände. Eine falsche Bewegung und wir wären im schlimmsten Falle beide tot. Und das ist nur der Normalzustand, von all den anderen, die keinem Stuhl zwischen uns Platz lassen spreche ich erst gar nicht. Ich wundere mich immer wieder, dass nicht viel mehr Unglücke geschehen, dass Angesichts unseres sozial und emotional desolaten Zustandes auf dieser Welt nicht weitaus mehr Menschen durchdrehen. Scheinbar hängt jeder noch ausreichend an seinem Leben. Aber wie lange noch? Burnout – Blackout – Drogenkonsum – Fanatismus, oder einfach nur gieriges Gewinnstreben, alles Unglücksherde, die verheerendes anrichten können und wir nähren fleißig weiter deren Boden. 
Ich ertappe mich selbst, wie ich im Rad des Geschehens immer schneller mitlaufe – um mithalten zu können, womit eigentlich? Ich spüre deutlich, wie leer es sich anfühlt und trotzdem renne ich noch weiter. Vielleicht weil es natürlich ist. Ich vergleiche es mit dem Sport, wenn ich laufe, kommt der Zeitpunkt, an dem ich weiß, dass die Kraft ausgeht und ich allmählich auslaufen muss. Vollbremsungen sind nicht immer sinnvoll. Auslaufen, mit dem Bewusstsein, dass sich der Zustand in dem ich mich befinde ändern wird und gezielt die Veränderung einlenke. 

Und was hat all das mit dem Flugzeug an der Felswand zu tun? Ich versuche Zerrissenes wieder zusammenzufügen. Dieser Copilot hat scheinbar nicht nur sich, das Flugzeug und seinen kompletten Inhalt innerhalb von Sekunden zerrissen, sondern auch so manches Bild in unseren Köpfen, Bilder von Sicherheit und Vertrauen und anstatt dessen uns das grausame Bild der Endlichkeit menschlicher Existenz wieder vor Augen gesetzt aber auch die Folgen und Auswirkungen eines schleichenden und scheinbar nicht erkannten  psychischen Zusammenbruchs einer Einzelperson. Vor diesem geistigen Auge packe ich den jungen Mann an den Schultern und schüttle ihn in der Hoffnung auf eine Antwort. Doch das einzige was mein Auge erblickt ist ein Gesicht, gezeichnet durch diese Zerrissenheit zwischen abgrundtiefer Bedeutungslosigkeit und der Sehnsucht wahrgenommen zu werden. Das Wort Schuld scheint mir an dieser Stelle deplaziert. Ich sehe nur die Folgen menschlicher Einsamkeit und die Handlung eines jungen Mannes, eingepfercht in einen finsteren Tunnel, der nur einen Ausweg hat. Ob all das überhaupt der Wahrheit entspricht, wissen wir nicht, und ob es politische Hintergründe hat, oder private, wo ist da der Unterschied? Das einzige, was stehen bleibt in meinem inneren Bild ist ein wachsendes Bewusstsein für Verantwortung – die Verantwortung dafür, meinem Nächsten das Gefühl von Bedeutungslosigkeit zu nehmen. Und warum sollte ich es tun? Ganz einfach… weil ich weiß, dass ich es kann.

So mancher mag sich nun fragen, warum erwähnt sie die Angehörigen nicht.... weil ich jetzt gerade im Empfinden unter ihnen stehe und ihre Blickrichtung versuche zu teilen - in der Hoffnung erträgliche Antworten zu finden - desshalb. 


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Fliehen

  Es reißt das Leben Lücken In dein Auffangnetz Unbarmherzig Unvermutet Ohne Vorbereitung Es will halten, es will schützen ...