Dienstag, 22. Juli 2014

Ich schließe den Raum




Nichts wird mich halten
Die Tore zu schließen
Stille ist es um mich
Es reicht.
Ihr ward lange genug in meiner Mitte
Und habt die Felder niedergetreten
Ohne Euer Wissen
Ohne eine böse Absicht
Einzig deshalb
Weil ich die Grenzen nicht zog
Und ihr nicht wusstet
Wo ihr euch befunden habt

Ich lebe nicht
Um zu gefallen
Ich bin frei
Ich erfülle keine Erwartungen
Ich liebe

Ich liebe euch
Mehr oder weniger
Früher oder später
Einen kurz
Den anderen ewig
Dich unendlich tief
Und dich streift bloß ein Blick

Doch jetzt ist der Augenblick
In dem ich die Tore schließe
Euch meinen Raum und meine Grenzen deutlich mache
Hier in dieser Mitte lebe ich
Ausschließlich
In diesem Raum werden meine Entscheidungen getroffen
Gelten meine Werte
Lebt mein Bild von Wahrheit
Hier werde ich geboren
Und hier werde ich sterben

Nichts wird mir meinen Platz streitig machen
Dies ist meine Heimat
Wer diesen Raum betreten will
Wird lange warten müssen
Und nur der,
Welcher Perlen im Herzen trägt
Wird meine Schwelle überschreiten dürfen
Und sich niederlassen
Neben mir
So lange,
Wie ich ihn gewähren lasse
Doch jedem von Euch
Der meinen Platz mit mir teilt
Schenke ich eine meiner Perlen
Niemand kommt umsonst.

Doch heute… und nehmt es so hin
Schließe ich die Tore
Um endlich den Raum zu bereiten
In dem ich täglich neu geboren werde.

Freitag, 30. Mai 2014

Freiraum



Freiraum

Die Netze sind gerissen, um mich nichts als Stille.
Der Sprung war gewagt und begleitet von Zerstörung.
Noch höre ich den Rest eines Luftstromes, wie das Aushauchen eines letzten Atemzuges.
Es tobte ein Sturm im Land, der alles unter sich begrub.
Ich setze einen Fuß vor den anderen, vorsichtig um die Stille nicht zu stören.
Scherben starren ins Leere und zeugen von dem, was ich einst war.
Bindungen lösen sich.
Erinnerungen verblassen.

Der Raum um mich ist weit, kann die Grenzen nicht sehen.
Wer bin ich hier? Wer will ich sein?
Ich stehe mitten im Leben und dennoch ganz am Anfang.
Was wird den Raum füllen und woher nehme ich die Steine für mein Fundament?

Einst saß ich im Brunnenschacht, gefangen von Enge.
Das Lied der Nachtigall erfüllte meine Seele mit Sehnsucht und ich sprang – weit.
Es zerrissen alle Netze und mit ihnen zerfielen die Steine, die mich einst gefangen hielten.
Nun liegen sie verstreut, als hätten sie keine Bedeutung.
Einen nach dem anderen hebe ich auf, wische den Staub davon und erkenne Potenzial.

Mein Blick schweift ruhig über das leere Land – ich bin frei.

12.05.2014








Scherben am Straßenrand



Wind in den Ohren, immer noch weht er, wie jeden Tag
hier in diesen Höhen tobt die Luft und reißt Vermisstes immer wieder ins Blickfeld
die Füße brennen wie die Pfoten einer Katze auf heißem Asphalt
Wunden schmerzen, schnüren mir den Atem ab
Asphaltblume hat den Durchbruch geschafft und sich die Blätter zerrissen
Der Teer ist aufgeweicht in der Hitze des Kampfes
Und ich gehe, gehe immer weiter, den Blick in die Zukunft gerichtet
Und falle, immer wieder in die Löcher der Vergangenheit
Fallgruben öffnen sich heimtückisch und führen mir vor Augen
Wonach ich süchtig bin – sehnsüchtig – nach Vertrautem
Verliere mich darin und fliehe wieder,
nach Halt suchend, der nur mir gehört.

Immer noch gehe ich auf einsamer grauer Straße
Das Land färbt sich rot – kirschrot
Und ich träume von einem weißen Vogel
der hämisch lachend seine Flügel über mir spreizt
und mir den Boden unter den Füßen entreißt.

Doch ich erwache, wieder und wieder,
und erblicke die Scherben am Straßenrand.
Trauernd setze ich mich nieder
Und wieder bleibt das Herz hängen
An den zerbrochenen Flügeln eines Schmetterlings.

Zerstört und zerschlagen lasse ich die Jahre hinter mir, und auch Tage der Hoffnung, einen wie den anderen.
Ich weine um jeden Stein um jedes Wort um jede Berührung,
trauere um alle Gewohnheiten, die irgendwann zu Süchten wurden.
Grausamer Entzug, Woche um Woche und es will kein Ende nehmen.
Die Leere ist gnadenlos und hält mir vor Augen, wie voll ich war von Fremdem, das ich zu meinem Eigenen machte.

Meine Welt ist dunkel, und die Luft klirrend, wie an einem kalten Wintermorgen. Ein Streifen steht am Horizont und verspricht einst ein Licht zu werden. In dieser Kälte überlebt kein Herz, zerbricht jeder liebende Flügelschlag und sei er noch so gut gemeint.
Ich habe die Tore verschlossen, halte alles Leben aus der Gefahrenzone – ich bin die Leere einer steinernen Höhle, blicke zum Horizont und warte.

Februar 2014



Samstag, 4. Januar 2014

Reißende Netze



Netze reißen
Ziehen und zerren an den Wänden ihrer Halterungen,
stille Schreie in der Nacht
die niemand hört
kalt begräbt der Schnee das Land unter sich
lässt es nicht auferstehen
klammert sich fest
an den Wurzeln fruchtbarer Bäume
zerfurcht deren Haut und lässt sie bluten
haltlos weht das Netz in finstrem Sturme
verliert seine Form und wird nutzlos
keiner vermag es zu halten
Schicksal verbiegt den Raum
Zeit legt bedrohlich ihre Hände um den Hals

Der Atem wird knapp

Ein Lichtschein in der Ferne
Lenkt seinen Strahl in ein blutendes Herz
Durchbohrt es gnadenlos und schafft Platz
Raum birgt Möglichkeiten
Die Kunst erwacht zum Leben
Und schlägt um sich
Bilder formen sich zu Worten
Setzen sich wie Geländer an den Wegesrand
Um den Absturz zu vermeiden

Halt wird sichtbar

Der Weg führt durch das Ich zum Du
Fragmente der Vergangenheit zerschneiden das Land
Lassen Herzen erzittern in Angst
Gedankenmuster türmen sich zu Monstern auf
Und feiern alte Erfolge
Deren Klang im neuen Licht verhallt
Auswege freigibt und Hoffnung schürt

Das Ich will sein

Es bebt ein Herz
Zerreißt das letzte Stück vom Netz
Macht sich zu Eigen, was ihm gehört
Um sich vom eignen Blut zu nähren
Die Auferstehung ruft
Geburt und Tod sind eins.
Nicht fallen – nicht jetzt.

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Ross und Reiter



Abweisend ist die Nacht und rau, gnadenlos treibts mich durchs Eis. Mich reitet der Geist der Finsternis und ich bin sein schwarzes Ross. Die Haut bedeckt mit Schweiß das Maul voll Schaum lässt er mich kaum zu Atem kommen. Der Schnee ist tief und reißt mir Wunden in die Beine und dennoch lässt er mich nicht ruhen. Die Nacht ist tief und mein Martyrium noch lange nicht zu Ende.
„Wer bist du, dass du mich so treiben kannst, siehst du nicht die Geister in der Nacht? Mich fürchtet doch du jagst mir gnadenlos die Sporen in den Leib!“
Der Geist auf meinem Rücken zerrt die Zügel fest und schreit: „Du kennst mich nicht, du finstre Kreatur? Wie oft zeigte ich dir mein Antlitz doch du hast es weggefegt wie die Fliege auf deinem Brot. Über all die Welten werde ich dich jagen, durch jede Enge schlagen, dich in tiefsten Abgrund blicken lassen, bis du mein Wesen anerkennst!“
Seine Stimme dringt in meine Ohren wie ein Donnerschlag und brennt sich  Bahnen in mein Herz, welches mir das Blut in meine Adern stampft. Schnaubend  stürze  ich zu Boden um mich unter seinen Schlägen wieder aufzurichten. Doch unbarmherzig bleibt der Geist auf mir und peitscht mich grob voran, der unbekannten  Finsternis entgegen.  
Meine Schreie gellen durch die Nacht und nur des Mondes Blicke ruhen sanft auf mir.
Unter hartem Zügel wend ich mich zur Seite, zeige meinen schmerzverzerrten Blick und ruf: „WAS! Sage mir was du willst?“
„Ich bin das, was du seit eh und je verraten hast, eingekerkert hast du mich, dein wahres Ich, dein Selbst! Ja, sieh dich um und blicke mir ins Angesicht, was du siehst bist DU! Wie lang noch willst du mich verleugnen, so tun, als wär ich gar nicht existent? Dein Kampf gegen mich hält den Mond am Himmel fest und das Morgenlicht von dir entfernt. Deshalb treib ich dich durch diese Finsternis. Die Qual soll dir die Augen öffnen, damit du mich erkennst!“
Und wieder treibt er mir die Sporen in die wunden Seiten. Wie lang noch würd ich unter seiner Knechtschaft laufen, er, der mir mein schmerzlich Schicksal webt, und jeden meiner Schritte lenkt. Ach, die  Glieder werden schwer und die Verzweiflung schnürt mir meine Kehle zu. Die letzte Kampfkraft die mir noch geblieben, ist verloren, so  trotze ich der Angst und setze diesem irren Lauf sein Ende, ganz gleich, was jetzt geschehen würde, so wend ich abermals den Kopf und seh dem schwarzen Reiter ins Gesicht.
„Was willst du, dass ich tue, sag es mir?“
Es zeigt der Reiter die feineren Züge, sein Blick senkt sich tief in den Meinen hinab und beschenkt mein Herz mit feurigem Leben. Es regnet seine Stimme über meinem Haupt hernieder und der Dolch der Scham durchborht meine Brust.
„Ross und Reiter sind Eins, wenn du bereit bist, dieses anzunehmen, wird der Mond sein Antlitz verbergen um der Morgenröte ihr Feld zu bereiten. Die Sonne wird uns die Wege erhellen, und sichtbar machen, was wir wirklich sind. Folge dem Pfad nach meiner Weisung und gib von dir alle Furcht. Du und ich sind Eins, und nur als solches werden wir erfüllen das vollkommene Gefüge unseres Seins. Darin liegt der Sinn des Weges.“
Aus samtenen Fäden spannen seine Worte ein Netz, dessen Knoten leuchten wie Sterne um das Feuer tief in mir entfachen, all der Liebe Raum geben um sich darin zu vereinen. In meinen Gliedern fühle ich seinen Willen, mein Herz schlägt gleich dem Seinen, ich atme seinen Atem und ich erkenne mich in seinen Augen, überblicke das Land um mich und erschaue klar die Spur, welcher es zu folgen gilt. Die Geister der Finsternis verschwinden und in der Ferne erstrahlt das Morgenlicht.
Die Nacht wird weichen und ich werde sein, was ich von Anfang aller Zeiten war und bis an deren Ende sein werde.
Bewusst und besonnen setze ich ein Bein vor das andere, betrachte mit allen Sinnen die  Welt um mich und staune. Welch ein Freiraum, welch vielfältiges Leben und die Sonne erstrahlt über mein Land, taucht es in das Licht meines reinsten Empfindens.
Welch ein Geschenk, mit all dem Schmerz und Leid, mit aller Liebe und Hoffnung, Tod und Leben, doch ich werde meinen Auftrag erfüllen und mitten darin sein, was ich bin, jede Sekunde, jeden Tag, jeden Gedanken, jedes Wort und alle Taten - Ich

…und erst wenn ein wahres Ich sich im Wir begegnet erweckt sich der Zauber der Liebe zum Leben.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Straßenkatzen oder der Schmerz der Welt

Herkunft unbekannt


Der Mond zeigte sich nur für einen kurzen Augenblick zwischen den schweren Wolken und legte sein silbernes Licht auf meinen nassen Pelz. Der Regen hatte es durchtränkt und die Nacht kroch mir kalt über die Haut. Meine Pfoten brannten, während ich einsam meine Spur über den Asphalt zog. Wie immer lief ich unter der alten Brücke hindurch um einmal mehr vor den Spraydosen zu landen, deren sich der Typ im schwarzen Kapuzenshirt wie unter Trance bediente. Es stank erbärmlich nach Fremdem. Doch wie immer faszinierte mich seine heimliche Freiheit, die er an dieser schrecklich grauen Wand auslebte und mich nie zu bemerken schien.

Mühevoll sprang ich die Stufen hinauf zur Straße, trabte  um den Gullideckel herum und suchte, wonach wusste ich noch nicht.
Mein Hinterbein schmerzte immer noch vom letzten Revierkampf und in der letzten Mülltonne verdarb ich mir den Magen. Meine  Jahre hier draußen waren hart und ich fühlte mich so endlos erschöpft. Oft schlug mein Herz in einer solchen Härte, dass es mir die Rippen zu brechen drohte.

Ich schloss einen Moment die Augen, setzte mich um ein wenig auszuruhen und auf die Stimmen zu lauschen, die durch die Straßen flüsterten. Heute war es still und ich erschrak. Ein Geruch weckte mich aus meinem dösenden Zustand, und ich öffnete ein wenig meine Augen. Er war kaum wahrzunehmen, dennoch, ich sah ihn dort stehen, weit entfernt von mir und mitten auf der Straße. Im Scheinwerferlicht des heranfahrenden Autos sah ich seine Silhouette und glaubte, das überlebt er nicht, doch das Auto wich aus und er blieb einfach stehen. Er schien mich mit seinem Blick zu fixieren und ich fixierte ihn.

Nach einer endlos scheinenden Weile rührte er sich, trabte mit angelegten Ohren lässig in meine Richtung, blieb jedoch ein paar Meter vor mir wieder stehen. Er sah an eine Hauswand und tat so, als wäre ich nicht da. Ich kniff die Augen zusammen und ignorierte ihn, doch tief in mir hielt ich ihn unter strengster Beobachtung und ich wusste, er tut das Selbe.

Eines war klar, sein Revier war nicht in dieser Gegend und er sah nicht besser aus als ich. Durch die zusammengekniffenen Augenlieder musterte ich ihn, während er das schmutzige Wasser aus seinem Pelz schüttelte. Missmutig sah er drein und setzte sich mitten auf die Straße, so als gehöre sie ihm. Ich teilte mein Revier mit anderen und es war gut, dass sie gerade nicht hier waren. Niemand duldete es, dass sich ein Fremder mitten auf einem freien Platz niederlässt. Hier gab es ohnehin nicht viel zu holen, und die Zeiten sind wahrlich schlechter geworden. Neid und Rücksichtslosigkeit machte uns das Leben allmählich zur Hölle und uns selbst zu giftspuckenden Kreaturen.  Wer sich mir mehr als einen halben Meter näherte, lernte mich von einer üblen Seite kennen, meine Schotten waren längst dicht gemacht. Es herrschte Krieg auf den Straßen.
Und in einer solchen Zeit wagte es dieser Fremde sich mitten auf diesen Asphalt zu setzen.
Doch irgendetwas war anders als sonst, ob es das miese Wetter war, das mich gnädig stimmte oder war es nur Neugier, oder eher seine Frechheit, die mich faszinierte?

Ich stand auf, ging einige Schritte auf ihn zu, doch er rührte sich nicht. Sein Blick ruhte still auf mir. Er wagte es, mir ins Gesicht zu sehen. Ich presste ein leises aber bedrohliches Knurren durch die Kehle und legte die Ohren an, doch er rührte sich immer noch nicht. Was nun geschah, jagte mir die tiefste Erschütterung durch die Glieder, die ich seit Jahren gespürt hatte. Er stand langsam auf, kam einen Schritt weiter auf mich zu, hatte die Grenze des halben Meters längst druchbrochen und stellte sich neben mich, hob seinen Kopf und stieß einen so ergreifenden Schrei in die Nacht hinein, dass er mein Herz auf der Stelle hätte zerreißen können. Sein Anblick schnürte mir den Hals zu, auf seiner regendurchtränkten Haut sah ich tiefe Wunden und Narben, eines seiner Ohren war zerrissen und in seinen Augen spiegelte  sich der Abgrund der Welt. Welch einen Weg musste er gegangen sein?

In unseren Kreisen zeigte man seine Wunden nicht, das bedeutet Gefahr. Schwäche musste verborgen bleiben. Doch er offenbarte sich mir ohne Scheu. Dies war das Zeichen, welches ich sofort verstand und ich drehte ihm den Rücken zu, ließ ihn meine Wunden und Narben sehen und dann hörte ich es mit allen Fasern meines Seins, jede Haarspitze meines Pelzes schien zu vibrieren. Sein grollendes Schnurren brach sich den Weg durch die Finsternis und erwärmte den Raum zwischen uns. Nun antwortete ich ihm und der Raum erwärmte sich weiter.
Doch die offenen Wunden schmerzten und wir waren uns der Gefahr bewusst. Die Zeit schien zu zittern und der Drang auszuholen um weitere Wunden zu schlagen stieg allmählich aus den Tiefen alten Erlebens. Ein Kampf hätte uns getötet, doch was kannten wir schon anderes? So zog ich mich langsam zurück. Sein heilendes Schnurren verklang einsam im Raum und ich schwieg, ließ ihn stehen, mitten auf der Straße, auf die er kein Recht hatte und trabte erschöpft in eine Seitengasse.
Hinter einer Mülltonne ließ ich mich nieder auf einem Stück trockenen Asphalt und sah hinüber auf den Platz, auf dem er gestanden hatte.
Die Straße war leer. Eines Tages würde er wieder kommen, vielleicht, wenn wir es überlebten. Meine Augen brannten und ich gab dem lautlosen Weinen nach. Was haben sie aus uns gemacht?

Montag, 16. Dezember 2013

Das große Aufbegehren


"Boykott" Acryl auf Holz 55 x 75 cm

 
Ein Hoch auf den Herrn… !? Nein, deine Zeit ist abgelaufen.
Nun stehst du vor mir 
fassungslos lässt du meine Ablehnung über dich herunterregnen
Hast dem nichts mehr entgegenzusetzen
Wirkst so kläglich machtlos gegen meine Freiheit
Wie kann ich es wagen
All das fallen zu lassen, was du  mir geboten hast
Ein Nest voller Geschenke, so schillernd, dass ich beinahe blind wurde
Den Topf so voller Schokolade, dass ich fast darin erstickt wäre
So warm war es in deiner Gegenwart, dass ich das Frieren verlernte
Gegen meine Mitmenschen hast du mich aufgebracht,
uns so voneinander entfremdet,
dass ich am Ende vor Einsamkeit fast gestorben wäre.

Ich brauche dich nicht, in deinem glänzenden Wagen
Brauche dich nicht in deinem maßgeschneiderten Anzug
Brauche dich nicht in geputzten Schuhen
Ich brauche deine Hand nicht bestückt mit einer goldenen Uhr
Ich brauche weder deine Versicherung noch dein Testament
Ich brauche dein Konto nicht und nicht deine Zahlen
Ich brauche deine Erklärungen nicht über die Welt
Ich brauche weder dein Haus noch dein Designerbett
Ich brauche auch deinen Hochleistungssex nicht
Ich brauche deine falschen Komplimente nicht
Und auch nicht, dass du mir sagst, was richtig für mich ist
Ich brauche DICH nicht

Was ich brauche

Bin ICH
 


Samstag, 14. Dezember 2013

Aldirose





Aldirose

Kälte kriecht unter die Jacke und ich schütze mein Gesicht vor dem Regen
Der nasse Asphalt raubt der Welt die Farbe und spiegelt Werbung wieder
Es ist Samstag und es drängt uns alle nach Hause
Die Gemüter wirken trübe und am Lächeln wird gespart
Der Einkaufswagen rattert sperrig vor mir her doch dann …
Ich stehe und starre auf den Kopf einer Rose
Er liegt auf dem Asphalt zwischen einer nassen Zigarettenkippe und einem Stück Papier
Ich atme durch und sehe auf die Füße, die an ihr vorüber gehen, es sind viele
Hilfesuchend wende ich mich zur Seite und sehe in ein trauriges Gesicht

Doch da ist niemand …

Er sagt, wir müssen sie aufheben

Doch da ist niemand …

Wir sehen die anderen, doch sie sehen uns nicht
Die Rose wird getreten
Er geht nach vorn, streckt seine Hand aus und hebt die Rose auf
Schützend hält er sie in seinen Händen und reicht sie mir
Achte auf sie, flüstert er leise

Doch da ist niemand

Der Einkaufswagen steht allein im Getümmel, die Milchtüten werden nass
Ich strecke meine Hand aus und umschließe den Rosenkopf mit den Fingern
Meine Wärme strömt in die sterbende Blüte
Und ich gebe ihr meine Liebe
Für ein paar Minuten gefühltes Leben
Zu Hause steht die Blüte im Wasser auf meiner Fensterbank
Eine Weile noch hält sie es aus
Und erinnert mich an jenen, der sie aufgehoben hat

Doch da war niemand.

















 


Donnerstag, 12. Dezember 2013

Schmetterlingsblume



Wenn Schmetterlinge tanzen
Erwacht das Glück zum Leben
Im Lebensglück erstrahlen Blumen
Welche fröhlich scheinend
Ihre Blätter hin zur Sonne wenden
Sich den Winden und Wassern ergeben
Im großen Lebensschwirren
All der kurz beglückenden Momente

Doch oben auf dem Berge
Steht einsam diese Eine
Die nur im Licht des Mondes
Ihre Blätter spreizt
Lockend ihren Duft verströmen lässt
Der schwarze Schmetterlinge weckt
Im sanften Nachtwind wieget sich
Ihr dunkelblauer Kelch
Und flüstert sanft
vom Hauch des süßen Sterbens

Gebunden an den Boden
Auf dem die Blume steht
Öffnet sie dem Flügelschlag
Des samtenen Verehrers
Ihr endlos tiefes Herz
Und hier beginnt ein Reigen
Voll schönster Eleganz
Einmalig
Er entscheidet über Leben oder nicht
Der Wind erhebt die beiden
Und trägt im Traum sie fort
Silbern schickt der Mond sein liebend Licht
An diesen einen
Ach so fernen Ort.

N.M.Schw. 12.12.2013    3.10 Uhr

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Montag, 2. Dezember 2013

"Identitätenwechel"





Identitätenwechsel




Wie lange hab ich nun an diesem Bild gearbeitet. Als ich im Juni 2012 begann war mir bewusst, dass sich das, was ich als meine Identität empfinde ändern wird, dass ich einen altvertrauten Teil von mir verlieren werde. Ich werde loslassen müssen, mich Neuem zuwenden, das war klar. 

Was ich auf der Leinwand vor mir sichtbar gemacht hatte, zeigte mir ein Gesicht, dessen rechtes Auge bereits fest verschlossen war, wie zugewachsen, ebenso die Gesichtstruktur, die wie eine Maske aus einer alten Zeit wirkt und allmählich schrumpft. Die alte Form wurde zu klein, das Neue bricht hervor und sucht mit einem gewaltig großen und weit geöffnetem Auge nach dem, was folgen wird. 

Wo gehe ich hin? Wer werde ich sein?


Quer über das Gesicht laufen Fragmente, Teile einzelner Erfahrungen und Erkenntnisse, die das Alte vom Neuen trennen. Diese Fragmente fügen sich aneinander, passend, Eines zum Anderen und ergeben gemeinsam eine erkennbare Form, bilden ein Zeitfenster der Wandlung, einen Prozess, in dem etwas geschieht.

Dann, innerhalb weniger Stunden geschieht etwas Unerwartetes. Während ich in tüsterer Finsternis über jener Frage des „wer bin ich“ brüte, entspringt aus meinem tiefsten Urgrund eine Gestalt, geladen mit neuer Energie und zum Sprung bereit. So entstand zuallererst die kleine Erzählung:  "Der Tag des Springers".


Nun musste ich nur noch die Figur dieses Springers ins Bild einbauen, ins Blickfeld des Gesichtes rücken um sie endgültig erkennbar werden zu lassen.


Wen oder was verkörpert der Springer?


Die Gabe zu springen ist gleichzusetzen mit der Fähigkeit in hoher Geschwindigkeit den Standort zu wechseln und somit auch die Blickrichtung. Wer den Standort wechselt, sieht die Dinge aus einer anderen Richtung. Wer mehrmals hintereinander die Blickrichtung wechseln kann, ist in der Lage, ein Ding, eine Struktur oder ein Ereignis  von möglichst so vielen Seiten zu betrachten, dass das Bild des betrachteten Objektes wie ein Hologramm vor dem inneren Auge erscheint. Ich befinde mich innerlich in einem 3-D Raum (die anderen Dimensionen lasse ich vorerst weg). Auf diese Weise werde ich die Welt und ihre Ereignisse anders wahrnehmen, als würde ich die Dinge immer von einer anderen Seite aus betrachten. Mein Weltbild ändert sich und bietet mir vielfältigere Möglichkeiten.


Aber nicht nur die mannigfaltige Betrachtungsweise der Welt, sondern auch die Fähigkeit, Standpunkte dann zu wechseln, wenn die bisherigen unbrauchbar erscheinen und zwar zum richtigen Zeitpunkt.

Wer die Geschichte „der Tag des Springers“ gelesen hat, weis, was ich damit meine. 

Es geht um die eigene Kreativität, darum, die innere Welt zu einer Realität werden zu lassen, die ich bewusst steuern kann, worin ich die Plätze wechseln kann, neue Gestaltungsmöglichkeiten zulasse und meine Kräfte gezielt nutze. Ich schaffe Raum und Grenzen, Trenn- und Verbindungslinien, Fluchtpunkte, Zielorte, Kommunikations- und Versorgungsleitungen. Ich mache mir eine innere Infrastruktur bewusst und baue sie nach meinen Bedürfnissen auf. 


Der Springer betrachtet und bewertet nicht nur die Welt um sich herum aus verschiedenen Richtungen, sondern auch sich selbst. Er betrachtet bewusst die verschiedenen Facetten seines Seins und gesteht sich die durch seine Kreativität bedingte innere Vielfältigkeit zu.

Das tiefe Nachempfinden einer Situation oder eines Befindens (Empathie) und die gleichzeitige Fähigkeit, sich im richtigen Moment davon wieder lösen zu können, bedingen einander. 


Die Figur im Bild ist frei, wobei Freiheit nicht mit Unabhängigkeit vom Umfeld gleichzusetzen ist, denn dies ist einem lebenden Organismus unmöglich, sondern hier geht es um eine uneingeschränkte Möglichkeit, sich den eigenen Standpunkt, auf dem Gedanken und Ansichten produziert werden, selbst auszusuchen. Je mehr Möglichkeiten einem eigenständig denkenden Individuum zur Verfügung stehen, desto weitreichender der Entscheidungsspielraum und somit auch dessen Freiheit. 


Samstag, 30. November 2013

Es war eine dieser unsäglichen Facebookdiskussionen...





und dennoch, wieder einmal mehr gehen mir die Augen auf, auch wenn ich nicht weis, in welchem Stadium der Öffnung sie sich gerade befinden, so merke ich doch zusehends, dass es „heller“ wird um mich und was ich sehe ist bedrohlich finster. 


Wie konnte ich so lange schlafen? Doch, ich weis es, ich weis auch warum ich so lange die Augen verschlossen hielt, mich verbarg vor dieser Welt und deren politisch-gesellschaftlichen Abläufen, ich wäre mental nie und nimmer in der Lage gewesen, all dem zu folgen, geschweige denn, es adäquat zu verarbeiten und schon gar nicht als Künstlerin, also, wartete ich den rechten Zeitpunkt ab, den Tag, an dem ich mich so sicher in meiner Denke verankert hatte, dass ich den Schritt in die klare Kälte draußen wagen kann.

Nun gut, das mit dem Tag nehmt nicht so genau, es war schon ein Prozess über Jahre…


Die Erde erwärmt sich, weil die Menschen erkalten, welch ein Paradoxon. Jetzt könnte jeder einwenden, welch einen Zusammenhang denn diese Behauptung haben sollte. Doch, denkt man länger drüber nach, weis man es. 
Das Klima wandelte sich schon immer, auch ohne den Einfluss des Menschen. Und, was hilft uns dieser Einwand? Er bringt uns keinen Schritt weiter und die Tatsache, dass sich selbst die Wissenschaft über Ursache und Auswirkung einer Erderwärmung nicht einig sind, hilft uns auch nicht, die Katastrophen besser meistern zu können, weder jene, die uns aus der Natur drohen, noch die, die uns gesellschaftlich und sozial das Messer an den Hals setzen. 


Was ist die Ursache des Übels? 
Sie liegt irgendwo tief im Menschen verankert – hier wären die Psychologen gefragt, normalerweise, doch da sehe ich eine Gefahr, ebenso, wie ich eine Gefahr drin sehe zu sagen: „ich fühl mich unwohl, also, gehe ich zum Arzt, der ist zuständig…“.

Verantwortung wegschieben, sich einen Fachmann suchen für die Probleme, die vor unseren Augen auftauchen, wenn wir sie denn überhaupt wahrnehmen wollen. Ja, wie soll so ein armer Mensch seine Krankheit erkennen können, geschweige denn heilen, wenn er sich mit dem eigenen Körper nicht auskennt? Und wer tut das schon? Es wäre jedoch das Mindeste, zu wissen, wie das lebende Ding funktioniert in dem ich da stecke, wie es sich auswirkt, wenn ich ihm etwas antue und was er braucht, damit es ihm besser geht. Selbst zu einer solch einfachen, grundlegenden Verantwortung sind wir nicht in der Lage, brauchen wir Fachleute dazu und erhalten damit einen  riesengroßen Wirtschaftszweig, der sich an unserer Dummheit und Naivität dumm und dusselig verdient. 
(Ernsthaft erkrankte Menschen schließe ich natürlich aus!)

Ähnlich verständnislos stehen wir dem Geschehen um uns herum gegenüber. 


Doch, da gibt es Menschen, die sich engagieren, politisch, gesellschaftlich und vielleicht auch wirtschaftlich, denen möchte ich nicht unrecht tun. Ich kenne doch viele, die einen großen Teil ihrer Zeit einer guten Sache widmen und versuchen, Einfluss zu nehmen. Dennoch hinterfrage ich, tun sie es wirklich oder macht es nur so den Anschein? Wie konsequent sind diese Menschen tatsächlich und wie gutgläubig und naiv bin ich selbst? Ich weis zu gut, wie gerne ich meinem Wunschdenken über eine bessere Welt verfalle und in jedem, der ein wenig Interesse an einem anderen zeigt, einen selbstlosen Wohltäter sehen möchte. Also, Scheuklappen weg und den Betrachtungsrahmen etwas erweitern… Was sehe ich? Menschen, die nach Sinn suchen für ihr eigenes Leben, so wie ich, die sich nicht vorwerfen möchten, sie hätten nichts getan, die eine Möglichkeit sehen, ihre Ideale mit einem Broterwerb zu verbinden, was ja nur zu verständlich ist. Und da hakt es schon. 
Was wollen wir denn wirklich? Genau das, was jedes andere Tier auch will, überleben und das möglichst gut und sicher um die eigene Art zu erhalten, also, sind wir uns selbst die Nächsten. Alles andere sind doch exotisch anmutende Blüten, mit denen wir belebende Bilder in eine trist scheinende Welt zu malen versuchen. Gedankenkonstrukte, an die wir uns halten um eine Orientierung in diesem unüberschaubar vielfältigen Angebot von Lebensformen zu behalten.


Um zu überleben gibt es eine Menge unterschiedlicher Strategien. Eine sehr starke und wirkungsvolle ist Besitz und damit Macht und Einfluss. Will ein Einzelner oder eine kleine Gruppe Gleichgesinnter Macht und Einfluss ausüben, braucht er/sie sehr viel Besitz. Dem gegenüber steht eine riesige Menge von Menschen, die nur sehr wenig bis gar keinen Besitz haben. Die Menge ist so groß, dass sie durch ihre Größe den Machtverlust ausgleichen könnte. Tut sie aber nicht, und warum nicht? Weil sie sich ihrer Macht nicht bewusst ist, weil diese Menge von Menschen alle unterschiedlichen Interessen folgen und sich somit nicht auf ein Ziel konzentrieren. Würden sie es nämlich tun, ginge eine gewaltige unüberschaubare Kraft von dieser Menge aus. Tja, und das wissen diese Wenigen mit all dem Besitz an ihrer Seite nur all zu gut. Also, sorgen sie dafür, dass die Interessen des Volkes in die unterschiedlichsten Richtungen laufen und sich bloß nicht auf die eigene Erkenntnis konzentrieren. 

Man hält die Armen weiter Mittellos, raubt ihnen gezielt den Selbstwert und verunsichert sie zusehends damit. Man macht eine Grundsicherung attraktiver  als einen Arbeitsplatz und behält so einen Teil der Gesellschaft dauerhaft in Abhängigkeit. Das Ganze macht man auf eine Art und Weise, dass sie sich das allernötigste an Zerstreuungsmitteln noch leisten können. So hält man sie vor RTL Serien gefangen und beschäftigt ihren Geist mit unsinnigen Emotionalitäten, die sie getrost in ihren Wohnzimmern ausleben können ohne auf den Straßen randalieren zu müssen. Man mergelt sie langsam aber sicher so weit aus, dass sie zu müde werden um den Gedanken an Revolte überhaupt noch denken zu wollen.

Und unterm Strich gesehen kommt das den Staat immer noch billiger, als sich einem unzufriedenen und revoltierenden Volk zu stellen.

Und die anderen, die noch in Arbeit sind? Sie werden zunehmend einem Druck ausgesetzt, der sie ebenso verunsichert und ihnen Angst macht, ihren Job zu verlieren. Und sie haben etwas zu verlieren, dafür hat man vorgesorgt. 

Doppelte Leistung bei einer Bezahlung von der kaum noch ein Mensch würdig leben kann. Leiharbeitsfirmen kamen da gerade recht, helfen sie doch glatt bei der Schaffung des neuen Sklavenstandes. Das beängstigende dabei ist, dass viele diesen Zustand als gegeben und normal hinnehmen, vor allem die junge Generation, die in einen solchen Zustand hineingeboren wird und ihn daher schwer hinterfragen kann. Die einen resignieren und suchen still ihren Platz im System, ein geringer Teil ergibt sich dem Leistungsdruck und versucht sich in Karriere machen, und wenn’s nicht geht, hilft man ein wenig nach, Ratiofarm dankt es uns.

Motivationslosigkeit macht sich breit, Depressionen häufen sich und die Pharmariesen stürzen sich auf das gefundene Fressen welches sie sich selbst servieren. 


Die andere Möglichkeit, ein Volk beschäftigt zu halten und zu lenken ist es, Feindbilder zu schaffen und davon haben wir doch reichlich. Oh, sie kommen vom Osten, vom Süden, von überhall her, und wollen uns das bisschen streitig machen, was wir noch unser Eigen nennen können, und dann die Boote vor Lampedusa, wie schrecklich, aber haben wollen wir sie dann doch nicht. Wir wollen nämlich gar nicht wissen, dass die Armut dieser Menschen etwas mit uns zu tun hat und unserem Wohlstand, den viele von uns Jahrzehnte lang  selbstverständlich genießen durften. 

Nicht zu vergessen, der Große Feind „Terrorismus“, der rechtfertigt weltweite Abhöraktionen und so wagt man es kaum, dem zu widersprechen, oder gar dieses aufdoktierte Bild in Frage zu stellen. Wer will schon schuld sein an einem Terroranschlag?


Thema – Religion, der Islam wird zum willkommenen Feindbild und wir schlucken es, ohne es zu hinterfragen. Moment mal, bevor ich etwas runterschlucke will ich es mir genau ansehen und dann entscheiden, ob ich es mir einverleibe oder nicht. Wie war das denn mit den Christen? Man soll nicht in der Vergangenheit wühlen? Nicht immer so nachtragend sein, das alte endlich mal ruhen lassen? 

Gut, der neue Papst trägt gerade einen Heiligenschein, und ich hoffe zutiefst, dass der auch echt ist und vor allem hell genug, um auch seine umliegenden Genossen zu erleuchten, aber dennoch, ich muss nun mal das Alte hervorholen und betrachten, um mir über die Gegenwart ein vollständigeres Bild machen zu können, meinen Betrachtungsrahmen zu erweitern. Man verzeihe mir bitte meine Eigenständigkeit. 


Doch allmählich wird mir immer klarer an welchen Ecken und Enden ich belogen werde und bei mir drängt sich ein ganz neues Feindbild auf und dieser Feind erhebt sich, wie ein Berg, der aus dem Nebel vor meinen Augen aufersteht, gewaltig, übermächtig, weil er wachsen konnte im Nebel eines schlafenden Bewusstseins. 


Im dritten Reich war das neue Medium Radio und Film ein willkommener Helfer in Bezug auf die Verbreitung von Propaganda und gezielter Meinungsmache. Man konnte ins Mikrofon brüllen, seine Ansichten gezielt formulieren und hoch emotionalisiert dem Zuhörer in die Seele brennen. Und es wirkte. Mit ein paar Zutaten wie Angst und Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und Sinnentfremdung brachte man ein riesiges Volk dazu etwas zu akzeptieren und gut zu heißen, was aus nüchterner Sicht betrachtet pure Menschenverachtung war. 


Und, was ist heute? Das Grobzeug von damals hat man ausgefeilt, ihm andere Namen gegeben, auf Hochglanz poliert und mit dem vereisten Lächeln der TV Zeitschriftblondienen per Programm in jedes einzelne Wohnzimmer transportiert. Zum Glück schafft es noch das ein oder andere kritische Wort in die Sendezeiten. Wahrheiten schaffen es höchstens als kabarettistische  Veranstaltung unter Verschlüsselung der Sprache in die Welt oder durch auf ein erträgliches Maß an Frechheit gestampfte Dokumentationen. Wer zu laut schreit wird schlicht weg in Verbannung geschickt. Na, da lob ich mir doch die alte, dünne Zeitung mit der fetten roten Schrift, die mir tagtäglich erklärt, wie wichtig all meine Alltäglichkeiten sind, gepaart mit sensationsheischender Gewalt, untermalt mit den dicken Titten einer üppigen Blondine, die jeden strammen Mann erstarken lässt in selbstbeweihräuchernder Gewissheit, doch ein guter Deutscher zu sein. 


Dieses vom Menschen geschaffene System mutiert allmählich zu meinem Feindbild und ich habe die Befürchtung, dass der Mensch längst die Macht darüber insofern verloren hat, dass er seiner Gier nach Macht und Besitz so dermaßen Tür und Tor geöffnet hat, dass sie nicht mehr zu schließen ist und das Kind längst im Brunnen liegt. Und wo die einen in ihrer Gier gefangen sind, sind es die anderen in ihrer Bequemlichkeit und auf diese Weise lenken wir unsere Arche „Leben“ langsam aber sicher auf ein rasiermesserscharfes Riff.

Ich hoffe nur, ihr wisst, wo eure Rettungsweste hängt!

Fliehen

  Es reißt das Leben Lücken In dein Auffangnetz Unbarmherzig Unvermutet Ohne Vorbereitung Es will halten, es will schützen ...